Die Dysplasie-Sprechstunde am St. Josefskrankenhaus Freiburg
Prävention und Früherkennung des Zervixkarzinoms
Die Medizin hat in den vergangenen Jahren im Bereich des Gebärmutterhalskrebses (Zervixkarzinom) große Fortschritte gemacht. Heute wissen wir sehr genau, wie diese Erkrankung entsteht, welche Rolle humane Papillomviren (HPV) dabei spielen und welche wirksamen Möglichkeiten der Vorsorge, Früherkennung und Prävention zur Verfügung stehen.
Hier möchten wir Ihnen verständliche und zugleich fundierte Informationen rund um die Dysplasie-Sprechstunde der Klinik für Gynäkologie am St. Josefskrankenhaus Freiburg geben. Sie erfahren hier mehr über die Entstehung von Zellveränderungen am Gebärmutterhals (Dysplasien), über die Bedeutung der HPV-Impfung sowie über moderne Vorsorge- und Screeningverfahren zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs.
Ein besonderer Schwerpunkt unserer Dysplasie-Sprechstunde in Freiburg liegt auf der sorgfältigen Abklärung auffälliger Befunde – beispielsweise nach einem auffälligen Pap-Abstrich, einem positiven HPV-Test oder bei Verdacht auf Zervixdysplasien. In unserer spezialisierten Sprechstunde bieten wir eine präzise Diagnostik, individuelle Beratung und – falls erforderlich – eine weiterführende Behandlung nach aktuellen medizinischen Leitlinien.
Unser Ziel ist es, Sie umfassend zu informieren, mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Sie mit großer Sorgfalt und Empathie zu begleiten. Die Dysplasie-Sprechstunde der Gynäkologie am St. Josefskrankenhaus Freiburg steht Ihnen dabei als kompetenter Ansprechpartner für Abklärung, Vorsorge und Behandlung von Zellveränderungen am Gebärmutterhals zur Seite.
- Primärprävention: Die Verhinderung der Infektion
- Die Sekundärprävention: Das Screening in der Praxis
- Die Dysplasie-Sprechstunde
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1. Primärprävention: Die Verhinderung der Infektion
Gebärmutterhalskrebs ist fast immer die Folge einer langanhaltenden (persistierenden) Infektion mit sogenannten Hochrisiko-Typen der Humanen Papillomviren (HPV). Es sind über 200 HPV-Typen bekannt, die in zwei Gruppen unterteilt werden:
- Low-Risk-Typen (z. B. 6 und 11): verursachen gutartige, aber störende Genitalwarzen (Kondylome).
- High-Risk-Typen (z. B. 16 und 18): können Zellveränderungen am Gebärmutterhals auslösen, die sich über Jahre zu Krebs entwickeln können.
Wir werden HP-Viren übertragen?
Um sich effektiv zu schützen, ist es wichtig zu verstehen, wie die Ansteckung erfolgt. Humane Papillomviren sind extrem weit verbreitet und hoch ansteckend.
- Haut-zu-Haut-Kontakt: Die Übertragung erfolgt fast ausschließlich über direkten Kontakt der Schleimhäute oder der infizierten Haut. Der häufigste Weg ist der ungeschützte Geschlechtsverkehr (vaginal, anal, oral).
- Keine reine „Tröpfcheninfektion“: Anders als Grippeviren befinden sich HP-Viren nicht nur in Körperflüssigkeiten, sondern haften an Hautschuppen im gesamten Genital- und Analbereich. Daher bieten Kondome keinen 100-prozentigen Schutz vor einer HPV-Infektion. Sie senken jedoch die Viruslast und verringern damit das Ansteckungsrisiko.
- Schmierinfektion: In selteneren Fällen ist eine Übertragung auch durch Schmierinfektionen möglich (z. B. über gemeinsam benutzte Sexspielzeuge). Eine Ansteckung über Toilettenbrillen oder Handtücher gilt hingegen als extrem unwahrscheinlich.
„Schlummernde Infektion“: Zwischen der Ansteckung und dem Auftreten von Zellveränderungen können Monate, Jahre oder sogar Jahrzehnte liegen. Ein positiver HPV-Test bedeutet also nicht zwangsläufig, dass Sie sich erst kürzlich angesteckt haben oder dass Ihr Partner/Ihre Partnerin untreu war. Das Virus kann lange Zeit unbemerkt vom Immunsystem in Schach gehalten werden, bevor es wieder aktiv wird.
Die HPV-Impfung
Die Impfung ist die effektivste Maßnahme, um eine Infektion mit den gefährlichsten Virentypen zu verhindern.
- Empfehlung: Die STIKO empfiehlt die Impfung für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren (am besten vor dem ersten Sexualkontakt).
- Kosten: Bis zum 18. Geburtstag übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten, in Einzelfällen auch bis Mitte/Ende 20.
Impfung im Erwachsenenalter: Auch wenn Sie bereits sexuell aktiv sind oder waren, kann eine Impfung als Individualentscheidung sinnvoll sein. Zudem empfehlen aktuelle Daten die Impfung oft nach einer operativen Therapie (Konisation), um das Risiko einer erneuten Erkrankung zu senken.
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2. Die Sekundärprävention: Das Screening in der Praxis
Das Ziel der Früherkennung ist es, Vorstufen (Dysplasien) zu entdecken. Diese können wir behandeln, bevor eine bösartige Erkrankung entsteht. Das Vorgehen hängt von Ihrem Alter ab.
Für Frauen zwischen 20 und 34 Jahren
Da HPV-Infektionen in diesem Alter sehr häufig sind und in ca. 80–90 % der Fälle von selbst ausheilen, testen wir primär auf Zellveränderungen.
- Methode: Jährlicher Pap-Abstrich.
- Ziel: Wir suchen nach veränderten Zellen, ohne direkt auf das Virus zu testen. So vermeiden wir unnötige Sorgen bei harmlosen, vorübergehenden Infektionen.
Für Frauen ab 35 Jahren
Ab 35 sinkt die Rate der Neuinfektionen, aber das Risiko steigt, dass eine bestehende Infektion chronisch wird.
- Methode: Alle drei Jahre ein Ko-Test (Kombination aus Pap-Abstrich und HPV-Test).
- Sicherheit: Sind beide Tests unauffällig, ist das Risiko, in den nächsten drei Jahren zu erkranken, extrem gering.
Zusätzlich: Die jährliche klinische Tastuntersuchung bleibt weiterhin bestehen.
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3. Die Dysplasie-Sprechstunde im St. Josefkrankenhaus
Hat Ihre Frauenärzt:in Ihnen empfohlen, sich aufgrund einer Auffälligkeit im Krebsvorsorgeabstrich zur weiteren Untersuchung vorzustellen? Wir sind darauf spezialisiert, diese Befunde genau abzuklären.
Was ist eine Dysplasiesprechstunde?
Dysplasie bezeichnet eine Veränderung der Gewebestruktur am Gebärmutterhals, der Scheide oder dem äußeren Genitalbereich. Die Aufgabe unserer Sprechstunde ist es, bei Auffälligkeiten im Abstrich weitere Untersuchungen vorzunehmen und eine Diagnose zu stellen.Wie läuft die Untersuchung ab?
Nach einer ausführlichen Anamnese und der Einordnung Ihrer Befunde erfolgt die Untersuchung auf dem gynäkologischen Stuhl.- Das Kolposkop: Wir betrachten die betroffenen Bereiche mit einer speziellen Vergrößerungslupe.
- Essig- und Jodprobe: Durch das Auftragen von Lösungen können wir Veränderungen sichtbar machen (die Schleimhaut verfärbt sich weißlich).
- Biopsie: In den meisten Fällen entnehmen wir eine winzige Gewebeprobe. Dies ist in der Regel nicht schmerzhaft.
Sobald die Ergebnisse vorliegen, entscheiden wir gemeinsam, ob eine Therapie notwendig ist oder ob eine weitere Kontrolle ausreicht.
Ihr Termin bei uns
Muss ich mich vorbereiten?
Nein. Wir empfehlen Ihnen lediglich, vor der Untersuchung etwas zu essen, um den Kreislauf zu stabilisieren. Eine bestehende Regelblutung ist kein Problem.Welche Unterlagen sollte ich mitbringen?
- Vorbefunde (z. B. Abstrichergebnisse)
- Gültige Überweisung von Ihrer Frauenärzt:in
- Krankenversicherungskarte
- Ggf. Medikamentenliste, Impfausweis, Mutterpass
Häufige Fragen (FAQ's)
Wir wissen, dass ein auffälliger Befund oder das Thema HPV viele Fragen aufwirft. Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Sorgen unserer Patientinnen.
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Habe ich Krebs?
Nein, in den allermeisten Fällen nicht. Ein auffälliger Abstrich oder eine Zuweisung zur Dysplasie-Sprechstunde bedeutet, dass Vorstufen vorhanden sein können. Diese entdecken wir, bevor sie zu Krebs werden können. Wir klären ab, ob es sich um eine leichte Veränderung handelt, die von selbst heilt, oder um eine schwerere Vorstufe, die wir behandeln müssen.
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Wo habe ich das Virus her?
HPV ist extrem weit verbreitet – fast jeder sexuell aktive Mensch kommt im Leben damit in Kontakt. Das Virus kann über viele Jahre unbemerkt im Körper "schlummern" (Latenzzeit), bevor es in einem Test auffällt. Ein positiver Test sagt also nichts darüber aus, wann oder bei wem Sie sich angesteckt haben. Er ist kein Beweis für Untreue.
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Kann ich meinen Partner/meine Partnerin anstecken? Soll er/sie sich testen lassen?
Da das Virus so verbreitet ist, hat Ihr Partner/ihre Partnerin höchstwahrscheinlich bereits Kontakt mit denselben HPV-Typen gehabt. Ein „Ping-Pong-Effekt“ (ständiges gegenseitiges Neuanstecken) spielt medizinisch meist keine Rolle, da das Immunsystem Antikörper bildet. Für Männer gibt es keinen standardisierten HPV-Test zur Krebsvorsorge, da HPV bei Männern nur sehr selten zu schweren Erkrankungen führt. Eine Untersuchung beim Urologen ist meist nur sinnvoll, wenn Hautveränderungen (z. B. Warzen) sichtbar sind.
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Muss ich in einer neuen Partnerschaft mitteilen, dass ich das Virus trage?
Da ein Großteil der Bevölkerung (oft unwissentlich) Träger von HPV ist, gehört das Virus zum allgemeinen Lebensrisiko dazu. Es gibt keine medizinische Vorschrift, den Partner/die Partnerin zu informieren.
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Geht das Virus wieder weg und was kann ich dafür tun?
Ja. In den meisten Fällen (ca. 80–90 %) bekämpft das eigene Immunsystem das Virus erfolgreich und die Infektion heilt von selbst aus. Was Sie tun können: Verzichten Sie auf das Rauchen! Rauchen schwächt die lokale Immunabwehr am Gebärmutterhals massiv. Nichtraucherinnen haben deutlich bessere Chancen, das Virus loszuwerden. Eine gesunde Ernährung stärkt das Immunsystem zusätzlich.
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Kann ich nicht gleich eine Konisation durchführen oder die Gebärmutter entfernen lassen?
Wir operieren so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Spontane Abheilungsraten von Veränderungen am Gebärmutterhals sind hoch.
- Konisation: Wird nur bei hochgradigen Vorstufen empfohlen. Jeder Eingriff am Gebärmutterhals kann den Muttermund schwächen und das Risiko für Frühgeburten bei späteren Schwangerschaften leicht erhöhen.
- Gebärmutterentfernung: Das ist ein großer Eingriff, der für die Behandlung von Vorstufen (Dysplasien) fast nie notwendig ist.
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Kann ich mich noch impfen lassen? Was ist mit Partner:innen und Kindern?
- Sie selbst: Ja, eine Impfung wird oft auch nach einer durchgemachten Infektion oder nach einer Konisation empfohlen, um das Risiko einer erneuten Erkrankung zu senken.
- Kinder: Unbedingt. Die STIKO empfiehlt die Impfung für alle Mädchen und Jungen ab 9 Jahren.
- Partner: Für erwachsene Männer ist die Impfung eine individuelle Entscheidung, die vor allem dem Schutz der Partnerin dient, aber auch vor Feigwarzen und selteneren Krebsarten schützt.
Kontakt und Terminvereinbarung
Klinik für Frauenheilkunde
St. Josefskrankenhaus
Sautierstraße 1
79104 Freiburg im Breisgau
Gynäkologische Ambulanz & Dysplasie-Sprechstunde
T 0761 2711-2600
F 0761 2711-2602
SJK-Frauenheilkunde@artemed.de
Zur Terminvereinbarung melden Sie sich gerne telefonisch, per E-Mail oder nutzen Sie die Online-Terminbuchung. Bitte halten Sie dafür den Befund Ihrer Frauenärzt:in bereit.




















